Wiedereinstieg Nach Der Elternzeit Finanziell Planen

Wiedereinstieg Nach Der Elternzeit Finanziell Planen

Der Wiedereinstieg ins Berufsleben nach der Elternzeit ist mehr als nur eine emotionale Herausforderung – es ist auch ein finanzielles Abenteuer. Viele Eltern unterschätzen, wie komplexe finanzielle Umstellungen mit dieser Rückkehr einhergehen. Die gute Nachricht: Mit der richtigen Planung lässt sich der Übergang nicht nur bewältigen, sondern auch zu einem Neustart für eure Finanzen nutzen. Wir zeigen euch, wie ihr eure finanzielle Lage realistisch einschätzt, versteckte Kosten identifiziert und gleichzeitig wieder am Vermögensaufbau arbeitet.

Finanzielle Lage Vor Dem Wiedereinstieg Analysieren

Bevor ihr euch in die neue Routine stürzt, braucht ihr einen klaren Überblick über eure aktuelle finanzielle Situation. Das ist keine lästige Pflicht, sondern die Grundlage für alle weiteren Entscheidungen. Eine ehrliche Bestandsaufnahme erspart euch später viele Kopfschmerzen und ungeplante finanzielle Engpässe.

Einnahmen Und Ausgaben Ermitteln

Fangen wir mit den Basics an: Was habt ihr während der Elternzeit verdient, und was habt ihr tatsächlich ausgegeben? Viele Eltern beziehen Elterngeld, das oft nicht dem früheren Gehalt entspricht. Berechnet genau, wie hoch die monatlichen Einnahmen waren.

Bei den Ausgaben werdet ihr überraschende Erkenntnisse gewinnen. Ja, die Kinderbetreuung kostete weniger – aber habt ihr die zusätzliche Kindernahrung, neue Windeln oder die neuen Schuhe berücksichtigt? Nutzt einen dieser Werkzeuge für diese Phase:

  • Bankkontoauszüge analysieren: Schaut euch die letzten drei bis sechs Monate an
  • Fixkosten aufschreiben: Miete, Versicherungen, Nebenkosten
  • Variable Kosten kategorisieren: Lebensmittel, Kinderbetreuung, Transport
  • Diskretionäre Ausgaben erfassen: Hobbys, Restaurants, Streaming-Dienste

Dies gibt euch eine realistische Baseline.

Sparquote Und Rücklagen Überprüfen

Fragt euch: Wie viel konntet ihr in dieser Zeit sparen, und wie viel musste aus Ersparnissen aufgebraucht werden? Wenn ihr Rücklagen angegriffen habt, ist das nicht falsch – Elternzeit sollte nicht bedeuten, Schulden zu machen. Aber es ist wichtig zu wissen, womit ihr startet.

Eure aktuelle Rücklagensituation bestimmt, wie aggressiv ihr beim Wiedereinstieg plant:

RücklagensituationHandlung
Weniger als ein Monatsgehalt Erst Notfallfonds wieder aufbauen
1–3 Monatsgehälter Stabile Basis, kann mit neuen Investitionen starten
3+ Monatsgehälter Solide Position, auch für größere Projekte

Die meisten Finanzexperten empfehlen drei bis sechs Monatsausgaben als Notfallfonds – eine Zahl, die mit Kindern eher bei der oberen Grenze landen sollte.

Einkommensausfälle Während Der Elternzeit Kompensieren

Während der Elternzeit entsteht ein Loch im Budget. Das Elterngeld füllt es nicht vollständig, und wenn einer von euch komplett zu Hause war, fehlte gar ein ganzes Gehalt. Die Frage ist: Wie wird das kompensiert, wenn beide wieder arbeiten gehen?

Zunächst: Das erhöhte Gehalt durch den Wiedereinstieg wird nicht vollständig „übrig” bleiben. Steuern, Rentenbeiträge und Kinderbetreuungskosten nehmen einen großen Teil weg. Wenn ihr vorher von einem Einkommen lebtet, funktioniert das einfach: Das zweite Gehalt war bereits einkalkuliert. Wenn aber das Einkommen während der Elternzeit deutlich sank, müsst ihr den Übergang gut steuern.

Hier sind realistische Schritte:

Monatlicher Wegfall-Ausgleich berechnen: Nehmt die Differenz zwischen eurem Elterngeld-Einkommen und dem früheren Nettoeinkommen. Das ist die Lücke, die ihr wieder füllen müsst.

Stufenweise Rückkehr nutzen: Viele Arbeitgeber bieten Teilzeitoptionen beim Wiedereinstieg. Das reduziert die Kinderbetreuungskosten und macht den Übergang psychologisch leichter – allerdings auch finanziell schwächer. Überlegt, ob eine schrittweise Steigerung im Stundenumfang sinnvoll ist.

Haushaltsbudget neu justieren: Wenn das Einkommen langsamer als erwartet wieder wächst, muss das Budget entsprechend angepasst werden. Das ist nicht Sparen aus Mangel, sondern clevere Planung. Vielleicht wird der Restaurantbesuch vom Monatsprogramm zur Quartalstradition – eine Entscheidung, die bewusst fällt, nicht unfreiwillig durch Geldmangel.

Budgetierung Nach Dem Wiedereinstieg

Jetzt wird es konkret. Der Wiedereinstieg bringt neue Kosten mit sich, die während der Elternzeit entweder nicht anfallen oder unterschätzt werden. Ein realistisches Budget muss diese alle erfassen.

Kinderbetreuungskosten Berechnen

Das ist oft die größte Überraschung nach der Elternzeit. Kinderbetreuung kostet – nicht wenig. Und die Kosten variieren massiv je nach Region, Betreuungsform und Alter des Kindes.

Berechnet konkret:

  • Krippe/Kindergarten: Monatliche Gebühren (viele Bundesländer unterscheiden sich stark)
  • Tagesmutter/Nanny: Stundensatz × Betreuungstage
  • Schulkinder: Hortgebühren, Nachmittags-Betreuung, Hausaufgabenhilfe
  • Ferienprogramme: Diese kosten extra und sind monatlich unterschiedlich
  • Notfall-Betreuung: Babysitter für spontane Ausfallzeiten (ca. 10–15 € pro Stunde)

Ein Tipp: Viele Bundesländer und Kommunen bieten Zuschüsse zur Kinderbetreuung. Informiert euch rechtzeitig bei eurem Jugendamt.

Arbeitsnebenkosten Einplanen

Arbeit kostet Geld, das ist eine einfache, aber oft vergessene Realität. Diese Nebenkosten addieren sich:

  • Fahrtkosten: Auto (Sprit, Wartung, Versicherung) oder öffentliche Verkehrsmittel (Monatsticket)
  • Arbeitskleidung: Auch wenn das Homeoffice weniger fordert, der Büroalltag verlangt nach würdiger Garderobe
  • Mittagessen/Kaffee: Wenn ihr im Büro seid, kostet die Kantine oder der Mittagskauf schnell 8–12 € pro Tag
  • Altersvorsorge: Der Arbeitgeber zahlt zwar mit, aber auch euer Eigenanteil ist Arbeitnebenkosten
  • Berufsunfähigkeitsversicherung: Sinnvoll für Arbeitnehmer mit Verantwortung

Eine realistische Rechnung: Fahrende Berufstätige mit 20 Arbeitstagen pro Monat zahlen schnell 300–500 € zusätzlich für Mobilität, Verpflegung und Kleidung. Das muss ins Budget.

Unsere Empfehlung: Addiert diese Kosten zusammen und zieht sie vom Bruttoeinkommen ab. Das ist euer realistisches zusätzliches Nettoeinkommen – nicht das, was in der Stellenausschreibung steht.

Steuerliche Aspekte Und Freibeträge Nutzen

Der Wiedereinstieg ändert eure steuerliche Situation – nicht immer nachteilig. Es gibt Freibeträge und Vergünstigungen, die speziell für Eltern relevant sind. Diese zu kennen, kann mehrere Hundert Euro sparen.

Kinderbetreuungskosten als Sonderausgabe: Bis zu 6.000 € pro Kind und Jahr können bei der Steuererklärung geltend gemacht werden. Das ist ein echter Steuervorteil, den viele übersehen. Belege sammeln – sie werden später essentiell.

Pendlerpauschale: Falls ihr ins Büro fahrt, könnt ihr mit 0,30 € pro Kilometer rechnen. Für einen 30-km-Arbeitsweg an 200 Arbeitstagen im Jahr sind das immerhin 1.800 € weniger zu versteuerndes Einkommen.

Erhöhter Freibetrag für Alleinerziehende: Sollte eine von euch alleinerziehend sein, gibt es zusätzliche Freibeträge. Diese sind deutlich höher als bei verheirateten Paaren mit nur einem Kind.

Betreuungsfreibetrag: Bis zu 2.400 € pro Jahr für Betreuungsausgaben können unter bestimmten Bedingungen abgezogen werden.

Ein wichtiger Punkt: Diese Freibeträge funktionieren nur, wenn ihr sie kennt und richtig nutzt. Eine Steuererklärung zu machen ist zeitintensiv, aber für Eltern mit Betreuungskosten oft rentabel. Manche sparen damit 1.000–2.000 € pro Jahr.

Vermögensaufbau Und Altersvorsorge Wieder Aufbauen

Die Elternzeit unterbricht nicht nur die Karriere, sondern auch den Vermögensaufbau. Manche frieren ihre Sparquoten ein, andere bauen sogar Ersparnisse ab. Der Wiedereinstieg ist die Chance, das wieder zu aktivieren – nur: mit welcher Strategie?

Das häufigste Fehler: Gleich wieder aggressiv investieren. Das ist psychologisch verständlich, aber oft nicht klug. Nach der Elternzeit ist die Lage volatiler als vorher. Das erste Quartal im neuen Job zeigt, ob die neuen Kinderbetreuungskosten wirklich wie berechnet ausfallen oder überraschend höher sind.

Eine bessere Strategie:

Monat 1–3: Fokus auf Notfallfonds wieder aufbauen, bis mindestens 2–3 Monatsgehälter vorhanden sind. Kein Sparplan, keine Investments.

Monat 4–6: Sobald die Rutin sich etabliert hat und ihr seht, dass die Budgetierung funktioniert, könnt ihr wieder in die Altersvorsorge einzahlen. Achtet darauf, mindestens die Arbeitgeberzuschüsse zu erhalten (wenn euer Arbeitgeber diese bietet).

Ab Monat 7+: Jetzt könnt ihr mit breiterer Anlagestrategie starten. ETF-Sparpläne, Fondssparquoten oder freie Geldanlage. Aber nicht auf Kosten der Notfallfonds – diese bleiben tabu.

Ein konkretes Beispiel: Euer Nettoeinkommen erhöht sich um 1.500 € durch den Wiedereinstieg. Nach acht Wochen, wenn die neuen Kosten klar sind, spart ihr davon 500 € für den Vermögensaufbau, 400 € für die Altersvorsorge und 600 € bleibt als Puffer für unvorhergesehenes. Schon in einem Jahr kumulieren sich 6.000 € Vermögensaufbau – das ist eine Basis, auf der aufgebaut wird.

Wichtig: Die Altersvorsorge schafft sich selbst Lücken. Jedes Jahr ohne Beitrag ist ein Jahr ohne Zinseszinseffekt. Deshalb sollte mindestens die Mindestrente wieder eingeplant werden, sobald die Lage stabil ist.

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